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Es gibt wohl weniges, bei dem sich die Wahrnehmung von Aussenstehenden so extrem von der Innensicht der Beteiligten unterscheidet wie die Beziehung von Sklaven und Master. Meist wird von Dritten der SM als einseitige, menschenverachtende, emotionsfreie Perversion eines Spinners mit einem Idioten wahrgenommen. Oft projizieren sich die nicht SMler in die Situation rein und da sie selbst keine SM-Bedürfnisse kennen oder wahrhaben wollen, können sie das ganze – um es sich einfach zu machen  – nur als krankhaft aburteilen.

Viele von uns standen wohl, nachdem sie endlich realisiert haben, dass schwul sein gar nicht widernatürlich ist und kein Problem für das eigene Leben darstellt, wieder vor dem Gedanken, wie pervers man sein muss, dass man selbst auf die härtere Gangart steht. Wie kann man nur Lust empfinden, wenn man erniedrigt wird oder wenn man jemanden erniedrigt? Wie krank muss es sein, sich an Schmerzen aufzugeilen? Warum macht mich versautes heiss? Eigentlich wollte man den Gedanken ein SMler zu sein raschmöglichst verwerfen aber ein inneres Bedürfnis, ein tiefes Empfinden brachte einen immer wieder zu der Thematik hin. Bei mir war es so, dass man dann anfing die Vorteile der unendlichen Niederungen des www zu nutzen und über komplizierte Umwege, woher sollte man auch die einschlägigen Seiten kennen, Zugang zur Materie fand. Anfangs um ganz alleine die eigene Lust mit Bildschirmwichserein vor Bilder gefesselter Jungs zu befriedigen, später dann um im Chat auch zu interagieren. Ja, ich hatte den Vorteil wohl zur ersten Generation der Computerkinder zu gehören. Wie haben die das bloss früher gemacht?

Irgendwann hat durfte man dann wieder realisiert, dass auch SM nichts schlechtes ist, weil das Ausleben alles andere als einseitig ist. SM ist in der Gesamtheit einvernehmlich, auch wenn gewisse Situationen missbräuchlichen Charakter haben. Das Einvernehmliche, diese Gegenseitigkeit ist es auch, die SM ganz klar vom Missbrauch und der realen Vergewaltigung unterscheidet, so dass eigentlich nichts an SM-Handlungen dabei ist, das man moralisch als schlecht betrachten müsste. Es ist ein gemeinsamer Spass bei dem man sich gegenseitig Bedürfnisse befriedigt, die aus der Sicht des 0815-Bürgers speziell, ungewohnt und somit einfach pervers sind.

Was wohl die Nicht-SMler am meisten verwirrt ist die Tatsache, dass die einzelnen Handlungen in unserer Gesellschaft meist in negativem Kontext stehen. Auch ich verurteile diese Art von Aktionen, wenn sie nicht einvernehmlich geschehen. Ich halte nichts von Gewalt und verabscheue vordergründig brave Bürger, welche zu Hause ihre Ehefrau regelmässig windelweich schlagen. Ich kann nichts gutes und geiles daran empfinden, wenn jemand im Berufsleben Dritte erniedrigt um selbst gut da zu stehen. Kidnapper die ihre Opfer vergewaltigen gehören zu unser aller Schutz weggesperrt. Und dennoch, ich liebe es, jemanden der das will und braucht zu erniedrigen, ihn zu versauen, ihm Schmerzen als Strafe oder aus Freude zuzufügen, mit ihm das zu machen, wonach mir ist und bei nichtgebrauch wegzusperren. Wo liegt der Unterschied zum Perversling und Verbrecher?

Der liegt wohl neben dem einvernehmlichen Charakter meiner Taten auch in meiner Einstellung zum Ganzen, welche sich für Aussenstehende wohl durch unzählige Paradoxe auszeichnet: Ich könnte nie jemanden schlagen, den ich nicht mag. Erniedrigen tue ich nur Menschen, vor denen ich grosse Achtung habe. Versauen kann ich nur mein Gegenüber, wenn ich ihn sehr schätze und auch weiss, dass er sonst ein sehr gepflegter Typ ist. Und all dies wie gesagt nur dann, wenn ich mir sicher bin, dass mein Gegenüber dies auch will und braucht, dass seine inneren Bedürfnisse sich mit meinen ergänzen und man den Weg gemeinsam geht. Dann jedoch je konsequenter, je härter, je versauter, je erniedrigender … je lieber.

Verständnis von Dritten für unser Handeln dürfen wir nicht erwarten. Um ehrlich zu sein, ich als Master mit keinem Gramm Submissivität in mir drin kann ja selbst nicht mal den Masochisten verstehen. Seine Empfindungen sind mir fremd. Was ich jedoch klar versuche, ist seine Gefühlswelt nachzuvollziehen, aber da ich nicht so fühle, werde ich es nie richtig verstehen. Wie soll denn ein Blümchensexler, der keine Affinität zur härteren Gangart hat uns verstehen. Was wir jedoch klar fordern dürfen, ist dass er es akzeptiert, dass wir es ausleben wollen, da wir ja niemanden damit schädigen noch unbeteiligte damit einengen. So wie er seine Freiheit hat, sein Sexualleben mit seinem Gegenüber so zu gestalten, wie er es für richtig hält, so haben wir diese Freiheit auch.

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