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homeBildH-folsomDemetriMasterMarc: Hallo Demetri. Als Chef des OK der Folsom Street Fair in San Francisco bist zu zur Zeit sicher sehr beschäftigt. Am 27. September wird die Gegend rund um die Folsom Street wieder voll Fetisch-Typen, Freaks und Besucher aus aller Welt sein. Ihr nennt euch ja den grössten Leder Event der Welt. Was können wir denn dieses Jahr von euch erwarten?

Demetri: Uns ist es wichtig, dass jedes Jahr diese Street Fair wieder anders ist, so wird alles wieder durchgemischt und neu gestaltet. Auf der 10th Street steht auch weiterhin unsere Hauptbühne mit grossartigen Bands (z.B. Missing Person, Ladyhawke) aber unsere Tanzbereiche wurden versetzt. Falls du das letzte Jahr verpasst hast so kan nich dir mittteilen dass die DEVIANTS Tanzfläche neu mit der zurückkehrenden BAAAHS (the bis Ass Amazingly Awesome Homesexual Sheep) zusammengeführt wird. Und da wird weiter auf der 11th Street wieder viel getanzt werden. Da findest du nämlich die Magnitude dance area auf der natür ich auch wieder ein besonderer Augenmerk auf internationale Talente wie Pagano, Inaya Day und DJ Wayne G. geworfen wird.

Für uns das wichtigse ist, dass wir wieder Allem rund um das Thema Fetisch eine Bühe bereiten wollen. Es wird also wieder viele Stände und auch Bühnen geben, an denen sich viele Fetische präsentieren von Burlesque Tanz über ABDL, Peitsche, Bondage und Suspension bis zu Pet-Play und vieles mehr. Du kannst also jederzeit bei uns neue Dinge erleben.

MasterMarc: Das hört sich wirklcih sehr spannend an. Gerade auch, dass Fetische wie ABDL (Adult Babys und Windelliebhaber), welche normalerweise nicht so offen wie Leder und Rubber gelebt werden, ihren eigenen Platz haben, wo sie sich anderen Lieberhabern dieses Fetisches und auch Interessierten ihren Lifestyle präsentieren. War es eigentlich schwer die Vertreter dieser eher versteckten Gruppen wie ABDL zu motiveren, sich so öffentlich vorzustellen?

Demetri: Um ehrlich zu sein glaube ich, dass es darum geht, dass wir ein sicheres Umfeld schaffen. Wir sind in der glücklichen Situation, dass Vertreter der ABDL Community sich bei uns gemeldet haben, weil sie ihren Fetisch promoten möchten. Klar, da hab ich natürlich zugesagt und ihnen einen Stand versprochen, denn es war mir wichtig, dass sie sich möglichst auf eine einfache Art und Weise auch der Öffentlichkeit präsentieren können. Die Vorlieben und Fetische ändern sich, entwickeln sich und wachsen mit der Zeit. Die Gruppe der Pet-Player hier in San Francisco wächst und wächst. Vor zehn Jahren hättest du noch keine Doggy-Maske am Folsom gesehen, jetzt sind es unzählige.

homeBild2-folsomDemetriMasterMarc: Das ist wahrlich kein nur auf San Francisco bezogenes Phänomen. Pet-Play scheint zur Zeit extrem populär zu werden. In meinen Augen deshalb, weli Pet-Play ein sehr offener Fetisch ist. Du kannst ein Lycra-Boy und Pet-Player sein und du bist genauso akzeptiert wie der Full-Leather-Dog oder der Sportswear-Welpe. Auf der anderen Seite findet es der BLUF-Typ genauso geil einen Dog zu haben wie der softere Sports-Wear-Typ. Damit will ich sagen, dass die Akzeptanz der Doggies durch alle Fetische hindurch geht. Was sind in deinen Augen die Gründe für diesen Trend? Denkst du dass sich die Fetisch-Szene im allgemeinen von einer geschlossenen und Underground-Szene zu einem offenen und akzeptierten Lebensstil wandelt?

Demetri: Viele jüngere Fetischjungs scheinen Pup-Player zu sein. Ich gebe dir recht, dass es ein “offener” Fetisch ist, der sich mit vielen anderen Fetischen überlappen kann. Ein weiterer Vorteil ist sicherlich auch, dass es nicht so ein teurer Fetisch ist, was gerade für Junge Fetischjungs wichtig ist. Aber ich denke dass jeder Fetisch seine Hochs und Tiefs hat.

Die Fetischwelt ist nicht mehr unbedingt eine Underground-Szene, sicherlich nicht, wenn Bücher wie Fifty Shades of Grey weltweit so erfolgreich sind. Klar der real gelebte Fetisch ist rauer und intensiver als dieses Buch ihn beschreibt. Dennoch ist es wichtig, dass Events wie die Folsom Street Fair uns die Möglichkeit geben, der Öffentlichkeit zu zeigen.

MasterMarc: Da stimme ich dir vollkommen zu, Events wie der eurige sind sehr wichtig. Ach übringens, kannst du uns einen kleinen Überblick über die Geschichte des grössten Fetisch Events der welt geben? Wie waren die Anfänge und die Entwicklung der weltweit bekannten Street Fair?

Demetri: Die komplette Geschichte und unsere Entwicklung kannst du hier  http://www.folsomstreetevents.org/heritage/ nachlesen. Aber ich möchte dir doch eine kurze Zusammenfassung geben. Der Event wurde im Jahre 1984 als “Megahood” iins Leben gerufen. Es war eine kleine Gruppe die die Aufmerksamkeit für das Problem der Gentrifikation in SOMA lenken wollte. Es war also alles andere als ein Leder-Event am Anfang (hingegen war die kleinere Up Your Alley Fair als schwuler Leder Event gedacht). 1990 taten sich die beiden Organisationen zusammen und so übernahm nach und nach die Folsom Street Fair das Gay- & Leder-Image der Up Your Alley Fair. Und so wurde dann die Folsom Street Fair noch grösser und bekam eine internationale Wirkung.

upyouralley-60MasterMarc: Was ist in deinen Augen das Ziel des Events und weshalb wurde er so erfolgreich? Wohin entwickelt sich der Event in Zukunft?

Demetri: Es ist unser Ziel die Community zusammen zu führen und ihr ein sicheres Umfeld zu bieten, sich selbst darzustellen und dabei sich auch gut zu unterhalten. Dabei haben wir gleichzeitig noch viel Geld für Projekte im Bereich der Gesundheit und Kunst gesammelt. Ich sehe auch die Folsom Street Fair als den ultimativen Event für Neulinge. Du kannst da ganz in normaler Strassenkleidung kommen und so tun, als ob du überhaupt nicht selbst an Fetischen interessiert bist und währendessen besuchst du Stände, betrachtest Vorführungen und kannst auch Fragen stellen, Ideen gewinnen. Vordergründig bist du ja nur wegen den Bands und den DJs da. 🙂 Es ist sicher auch so erfolgreich, weil es einer der wenigen Plätze ist, wo du öffentlich auch tagsüber deinen Fetisch und deine BDSM-Seite so leben kannst, wie du willst. Es macht ganz einfach einen riesen Spass!

MasterMarc: Unsere Anfängerzeiten legen nun doch schon eine Weile zurück. Und ich bin mir sicher, man kann nicht der verantwortliche Organisator eines solchen Events sein, ohne auch mit dem Thema verbunden zu sein. Was sind eigentlich diene Kinks und wie waren deine ersten Schritte in der Fetisch-Welt? Was hat sich verändert wenn man die heutige Zeit mit der Zeit vergleicht in der wir gemerkt haben, dass Blümchensex nicht befriedigend genug für uns ist?

Demetri: Oh mein Gott, meine ersten Schritte in der Fetisch Welt waren Anfangs der 90er Jahre. Da erinnere ich mich, dass ich mich an der Pride-Parade einer Gruppe angeschlossen habe, die sich “Men of Discipline” nannten. Die sahen so geil und heiss aus in ihren schwarzen Uniformen. Danach bin ich ihnen an einem Bootcamp beigetreten und hab mich dann bei der Gründung der San Francisco Sektion engagiert. Ich war da immer an solchen Vereine sich mit der Lederwelt vermischten und diese Vereinigung hatte es drauf, ein Bruderschaftsgefühl zu wecken in dem man dann auch seinen Fetisch erkunden konnte. Ich hab da z.B. 1996 an einem, in meinen Augen der Beste, Doggy-Event teilgenommen, lange bevor Petplay überhaupt so populär wurde.

MasterMarc: Du hast also von der Ost- zu der Westküste gewechselt. Das ist wirklich interessant weil für uns Europäer eigentlich die USA nur aus den beiden Küstenregionen bestehen. Die Ostküste, eine Art amerikanisches Europa, und die Westküste, als das was man als den amerikanischen Lebensstil sieht. Klar da gibts noch den Spring Break in Florida mit all den süssen Twinks und noch Las Vegas, wo Dirty Harry – Entschuldigung, seine königliche Hoheit – seine Naked Parties veranstaltet. 🙂 Was für ein Bild haben denn die Amerikaner von uns Europäer?

Demetri: Ich kann doch nicht für alle Amerikaner sprechen, aber auch ich habe meine europäischen Lieblingsstädte. Dabei geht es mir weniger um die Kultur und mehr wie man sich da individuell entfalten kann. Ich selbst liebe London und Berlin. Events wie die London Fetish Week, die Snax-Party, das Folsom Europe usw. machen diese beiden Städte zu wirklich tollen Orten, die einem viel bieten. Dann gibt es Städte die eine tolle Underground-Szene haben wie z.B. Paris und Madrid. Zusammengefasst kann ich sagen, dass wohl die meisten Amerikaner zustimmen würden, wenn ich sage, dass das Fetischleben in Europa besser ist als bei uns.

upyouralley-12MasterMarc: Ich kann natürlich auch nicht für alle Europäer fragen. Ich hab nur einige Klischees angesprochen. Aber weshalb denkst du dass bei uns das Fetischleben besser ist? Gerade dein Event ist doch ein grossartiges Beispiel dafür, dass die USA ein tolles Fetischleben haben. Und dabei dürfen wir auch nicht vergessen dass die Schwulenbewegung mit dem Aufstand der Drag Queens in der Christopher Street in New York hatte. Weiter darf auch San Franciso mit der Geschichte des Bürgermeisters Harvey Milk nicht vergessen werden.

Demetri: Klar, San Francisco und New York sind sicher nicht die Amerikanischen Durchschnittsstädte und ich muss dir sagen, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Aber dennoch hat man das Gefühl, dass in Europa fetischmässig mehr los ist. Viele schwule Amerikaner nehmen die Fetischszene nicht so ernst wie dies in Europa gemacht wird. Aber klar, das sind Verallgemeinerungen und dazu gibts immer Ausnahmen.

MasterMarc: Ab und zu hab ich ja ein leicht schizophrenes Bild der USA. Ihr könnt zum einen das fortschrittlichste Land sein und zum anderen so konservativ, dass die Hölle zufriert. Wie ist es da möglich, einen Event zu organisieren, bei dem nackte Typen durch die Strassen ziehen? Wie sehr müsst ihr um solche Rechte auch kämpfen?

Demetri: San Francisco gehört zu den Städten die eine sehr fortschrittliche Sichtweise in den Bereichen Community, Kultur und auch Sexualität hat. Ich denke so ein Anlass wäre sonst nirgends in der USA möglich, was uns natürlich auch speziell macht. Dabei werden wir von den Beamten und Politiker der Stadt sehr unterstützt. Sie sind sich bewusst, dass dieser Anlass das kulturelle Leben bereichert und zudem bringt dieser Anlass Tausende von Besuchern nach San Francisco, die hier auch viel Geld ausgeben. Der städtische Rechnungshof hat in einer Studie herausgefunden, dass die Wirtschaftserträge rund um die Folsom Street Fair ungefähr bei US$ 181 Millionen liegen.

MasterMarc: Es ist wirklich ein grosser Event und dies bedeutet auch, dass es viel Arbeit für dich und dein Team ist. Wie viele Leute arbeiten bei dir im Organisations-Kommittee und wie viel Freiwillige helfen während des Events? Was siehst du als deine wichtigste Tätigkeit?

Demetri: Während des Jahres haben wir zwei Angestellte aber während der Zeit der Fair nehmen wir noch einen weiteren Teilzeitangestellten ins Team. Im Organisations-Kommittee sitzen 12 und dann gibt es noch das Produktionsteam, welches wir “Associates” nennen, welches aus 21 besteht. Während des Anlasses sind über 1’000 freiwillige Helfer am arbeiten, welche Spenden sammeln, für Sicherheit sorgen, beim Auf- und Abbau helfen, in unseren Getränkestände arbeiten oder auf einer anderen Position im Einsatz sind. Meine Hauptaufgabe ist sicher die Planung , so dass man während des Anlasses keine schlechten Überraschungen hat. Es gibt immer Dinge die nicht funktionieren, umso wichtiger ist, dass der Rest gut koordiniert und organisiert ist. Da wir ungefär in 15 Teams und Abteilungen arbeiten, gibt es auch sehr viel Kommunikationsaufgaben zu erledigen.

upyouralley-25MasterMarc: Euch ist auch der Charity-Charakter eures Events sehr wichtig. Für welche Organisationen und Projekte sammelt ihr denn und weshalb unterstützt ihr gerade diese Organisationen?

Demetri: Wir fragen jedes Jahr die Lokalen Organisationen aus dem Gesundheits- und sozialen Bereich und aus der Kunst an, welche Projekte sie uns vorschlagen. Anhand von verschiedenen Kriterien und auch der Wichtigkeit der Anfragen, welche Projekte für das entsprechende Jahr unterstützt ewrden. Die diesjährigen Projekte die wir unterstützen findest du hier: http://www.folsomstreetevents.org/beneficiaries/. In der Geschichte unseres Events haben wir schon über 5.5 Millionen Dollar für regionale und nationale Organisationen gesammelt.

MasterMarc: Bei euch gibt es auch dieses Jahr wieder viel zu erleben: Einige Bühnen, gute Musik, Shows, Bars, Verpflegungsstände, Infostände von Fetisch-Organisationen, Shops die ihre Kollektionen zeigen usw. Da fragen sich natürlich Kerle, die euren Event noch nicht kennen, wo sie denn da spielen und Sex haben können und wie das Rahmen- und Partyprogramm des Folsom-Weekends aussieht? 

Demetri: Am Event selber gibt es vielerlei Möglichkeiten für BDSM-Aktivitäten, unsere Spielbreiche und natürlich auch in den Bereichen unserer Aussteller und Shops. Wenn es um normale sexuelle Tätigkeiten wie ficken, blasen usw geht, dann gibts da verschiedene Bereiche wie z.B. das Blow Buddies, wo dies möglich ist. Im Rahmen des Folsom Weekends gibt es natürlich allerlei Aktivitäten wie Play-Partys, Bar-Nächte aber auch Tanz-Partys. Den Veranstaltungskalender findest du hier: www.folsomstreetevents.org. Einige der Höhnepunkte sind sicher die Full Fetish Party von Recon am Freitagabend oder die Magnitude am Samstag, dann klar das Strassenfest am Sonntag und die Abschlussparty Deviants nach dem Strassenfest.

MasterMarc: Das hört sich nach einem grossartigen Weekend an, an dem man viel kinky Spass haben kann. Es war toll mit dir zu quatschen, Demetri. Ich wünsche dir nur das Beste für den Event und ich kann nur hoffen, dass auch du während des Events ein wenig Zeit finden wirst, den Event zu geniessen. Du und dein Team machen einen tollen Job. Danke dafür! C U soon.

Demetri: Ich versuche es mir immer einzurichten, dass ich auch ein wenig Zeit für mich während des Events habe. Aber ich muss sagen, dass es für mich einfach eine riesen Ehre und ein Privileg ist, diese Arbeit zusammen mit unserer Community zu machen. Es ist eine Arbeit der Liebe. Wir hoffen dich und euch alle, die ihr das liest, am Folsom Strassenfest in San Francisco zu begrüssen.

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