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Ein Erlebnisbericht von RomSlave.


P5070010Eines Tages ist der Punkt erreicht, an dem die Phantasien nicht mehr zu unterdrücken sind. An dem Bilder und Texte sich nicht mehr eignen, den Kopf frei zu bekommen von dieser Schiene seines Lebens, sondern ganz im Gegenteil Anreiz geben, Kopfvisionen noch weiter zu spinnen.

Es ist der Punkt, an dem ich das Verlangen, meine Träume live zu erleben, nicht mehr unterdrücken konnte und wollte.

Dies soll ein Erfahrungsbericht meiner persönlichen Situation werden. Dem entsprechend ist er sehr subjektiv und besitzt mit Sicherheit keine Allgemeingültigkeit. Dennoch bin ich mir sicher, dass es viele Schnittpunkte und Gedankengänge gibt, die Andere mit mir gemeinsam haben. Bestens, wenn ich dem einen oder Anderen eine echte Hilfestellung geben kann. Auch schön, wenn dieser Text so manchem nostalgisch vorkommt und ich ihn zum schmunzeln bringe.

Am aller Wichtigsten, bevor ich den ersten Schritt in Richtung „live“ machte, war mir, mit mir selbst und meiner Situation ins Reine zu kommen. Ich habe einige Nächte für mich selbst philosophiert, Gedanken gewälzt, Situationen durchgespielt. Das Ergebnis war anschließend klar, und ließ sich auch nicht kaputtargumentieren:

  • Ich muss mit dieser Sache leben, sie lässt sich nicht (dauerhaft) unterdrücken
  • Ich selbst kann nichts dafür, ich kann mir keine Vorwürfe machen
  • Ich kann auch sonst Niemandem die Schuld geben (nein, ich bin nicht vom Wickeltisch gefallen, mein Vater ist kein gewalttätiger Alkoholiker und meine Mutter auch keine N….; nein, mein Onkel hat nicht an regnerischen Wochenenden auf mich aufgepasst!

Ich würde lügen, würde ich sagen, ich wäre dann mit dem Selbstbewusstsein eines Maulwurfs im Darkroom an den nächsten Schritt gegangen. Aber definitiv hat mich die gründliche Selbstanalyse gefestigt und ich kam an den Punkt zu sagen, dass ich mir mehr schaden als helfen würde, würde ich die Sache nicht angehen. Zurückblickend bin ich mir sicher, ich wäre heute nicht der Selbe; psychologisch, charakterlich. Es wäre ein immenses Loch an unerfüllten Wünschen und aufgestautem Frust vorhanden, der die Meisterung des Lebens erheblich beeinträchtigt hätte. Ich werde das Gefühl jenes Abends nicht vergessen, an dem ich wieder nach Hause fuhr und den ersten Schritt getan hatte. Es war nicht nur die Befriedigung einer oberflächlichen Geilheit, nein, es war das Gefühl, einen bösen Zahnschmerz loszusein und gleichzeitig das vielleicht letzte Puzzelteil ins Spiel zu drücken.

Damals hielt ich mich noch auf Pages auf, die ich heute nicht mehr besuche. Nicht weil diese schlecht gewesen wären, sondern weil ich besseres entdeckt habe. Eine dieser Seiten machte sich das Thema Gay-SM zum alleinigen Anliegen und beschäftigte eine gute Kontaktbörse mit Anzeigenmarkt.

Hier fand ich unter anderem ein Inserat, das meine Besondere Aufmerksamkeit auf sich zog:

  • Der Text war länger und war gut verfasst
  • Gesucht wurden Master und Slaves für eine SM-Party, was ich besonders geil fand
  • Der Absender kam aus dem selben Wohnort

Angestachelt durch den Kopf und irgendetwas unten im Lendenbereich schrieb ich also eine Mail raus an den inserierenden Master. Ich stellte mich kurz vor, beschrieb meine Person, sagte auch sofort, dass ich SM-Neuling bin. Vor allem gab ich mir große Mühe durch den Text zu zeigen, dass es mir a) ernst war und ich b) nicht auf den Kopf gefallen bin.

Ungefähr zwei Tage dauerte es, bis die Antwortmail kam. Eigentlich hatte ich nicht damit gerechnet, dass überhaupt etwas zurück kommen würde, geschweige denn, etwas Vernünftiges. Aber ich sollte eines Besseren belehrt werden: Der Master bedankte sich für die Mail und beschwichtigte, was meinen „Anfängerstatus“ betraf. Er schrieb einige Zeilen über sich und seinen „Werdegang“ im SM.

Schlussendlich lud er mich zu sich nach Hause ein, um das Thema unter vier Augen zu bereden und Fragen zu beantworten. Da war ich schon baff: derartige Antworten kannte ich zuvor nicht. Ich war unglaublich neugierig und hätte am liebsten sofort zugesagt, auf der anderen Seite schlich sich natürlich auch das Gewissen ein: „Du kennst diesen Mann nicht, wer weiß, was er mit dir anstellt, der läd dich doch nicht nur zum quatschen ein…“  Schlussendlich sagte ich mir aber, dass sich eine derartige Chance wohl vorerst nicht mehr ergeben würde. Zudem konnte ich mich selbst auch gut genug einschätzen um zu wissen, dass ich in FREIEM Zustand einiges an Paroli zu bieten habe. So schrieb ich ihm also zurück, bedankte mich für das super Angebot und machte zwei Terminvorschläge. Es dauerte nicht lange, bis das die Antwort kam: den ersten nahm er an.

Die Wegbeschreibung auf dem Schoß machte ich mich mit dem Auto an jenem Tag auf zu ihm. Ich werde wohl nie vergessen, wie nervös ich in diesen Minuten war! Am Ziel angekommen parkte ich am Bordsteinrand und versuchte, mich erst einmal zu sammeln. Nach einiger Zeit des „jetzt musst du da auch durch!“ stieg ich aus dem Wagen und wählte auf dem Handy die Nummer, die er mir gegeben hatte. Er nahm sofort ab, grüßte freundlich und sagte, dass er rauskomme und mich von draußen abhole. Einen Moment später war er auch schon da und der erste kleine Kieselstein fiel zumindest schon einmal von meinem Herzen; er war mir in seinem Auftreten und von seiner Ausstrahlung sofort sympathisch. An meiner innerlichen Unruhe und dem Zittern in meinen Händen änderte dies leider nicht besonders fiel.

Er stellte sich als Alexander vor und führte mich in seine Wohnung. Wir nahmen im Wohnzimmer platz und begannen ein Gespräch, das insgesamt ungefähr drei Stunden dauerte. Wir stellten uns ausführlich privat vor, dann berichtete er von seinen Erfahrungen im Bereich Gay-SM, erzählte von Geilem und Kuriosem, verschwieg nicht die negativen Erfahrungen und fragte mich nach meinen Wünschen und Fantasien. Ich versuchte so offen wie möglich zu sein, war aber so was von nervös, das Anfangs wohl eher weniger brauchbares aus mir rauskam. Später fragte er mich, ob ich einige „Gerätschaften“ von ihm sehen wolle und holte auf das Bejahen eine große Sporttasche aus einem anderen Raum. Nun ja, sagen wir, er hat eine beachtliche Ausstattung und man hatte etwas, worüber man reden konnte J

Schlussendlich kam natürlich der Punkt, an dem er fragte, ob wir etwas ausprobieren sollten. Ich möchte nicht behaupten, dass ich mir sicher war, aber er hatte es auf seine Art geschafft, das ich bejahte. Er sagte, er würde mir ein geiles Bondage zeigen. Er führte mich in die Mitte des Raumes und bat mich, meinen Oberkörper freizulegen. Währenddessen holte er ein langes, weißes Bondageseil aus besagter Sporttasche zusammen mit einigen hölzernen Ringen. Behutsam begann er die Fesselung, die nicht zu hart, aber effektiv war und band von Hals an herunter bis zu den Oberschenkeln. Meine Hände waren fest an meine Beine gebunden. So darstehend begann er meinen Körper zu mustern und zu streicheln; fragte, ob ich es geil fand und ich bejahte.  „Dann hoffe ich, das wir uns wiedersehen“, sagte er; und das soll die Schlüsselszene meines Berichtes sein. Ich denke, exakt dieses Verhalten von ihm ( was ihm vorraussichtlich nicht allzu leicht fiel), sorgte für ein grundlegendes Vertrauen bei mir. Es sollte keine Woche dauern, bis das wir uns wiedersahen und weitere Schritte machten.

Mit der Weile führen wir eine SM-Beziehung, in der wir uns ca. alle drei Wochen sehen. Es geht uns beiden darum, ein „ganz normales Leben“ zu führen; in dem wir aber unsere Phantasien zuweilen gemeinsam ausleben. Eine Freundschaft ohne „kletten“ und nerven; ohne Eifersucht und Drängen. Meistens machen wir Aktionen zu zweit, sind Aktionen zu mehreren aber durchaus aufgeschlossen, wenn wir Menschen kennenlernen, die den Fetisch so sehen wie wir: Diskret, ungezwungen, ehrlich und mit dem nötigen Maß an Intellegenz.

Nicht jeder kommt mit dieser Art des „Spiels“ klar, gerade was den Zeitabstand betrifft; das ist klar. Grundsätzlich muss aber gerade im SM eines gelten, ohne welches jedes Treffen nichtig sein sollte: gegenseitiges Vertrauen!

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