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homeBildH-conorDublin001MasterMarc: Hallo Conor. Du hast einen Fetisch der vielen Menschen zumindest ein beklemmendes Gefühl gibt, wenn man euch sieht. Du bist ein Skin! Dies ist ein Aussehen, welches ein Teil unserer Gesellschaft mit Neonazis und brauner Vergangenheit in Verbindung bringt. Haben die ein korrektes Bild von euch?

Conor: Hey Marc, absolut NICHT! Der Nationalsozialismus ist mir absolut fremd. Die Neonazis sind von Natur aus rassistisch und homophob, zwei Eigenschaften welche absolut nicht mit den Werten von Gay-Skinheads vereinbar sind. Wir haben vielleicht das gleiche Aussehen aber ansonsten sind wir in unserem Denken und Handeln absolut das Gegenteil. Wir teilen zwar unseren Look aber wir Gay-Skinheads machen es besser!

MasterMarc: Ich weiss, diese gestellte Frage wird dich ein wenig ärgern weil ihr als Skins doch oft mit diesem Vorurteil konfrontiert werdet. Dann lass uns doch positiv über deinen Fetisch sprechen. Was ist in deinen Augen das was den Skin-Fetisch ausmacht?

Conor: Die Essenz des Skin-Fetisch umfasst zwei wichtige Bereiche; das Aussehen und die Gesinnung. Der Look hat seine Wurzeln im Grossbritannien der 70er Jahre und man nannte ihn damals den Bovver Boy Look, welcher aus der Reggae- und Ska-Szene stammt. Ein Original-Skin-Outfit besteht aus Stiefel, Jeans, Hosenträger, einem Check-Shirt und einer Jacke, welche in den 80ern durch MA1-Bomberjacken ersetzt wurden. In der letzten Zeit hat sich die Auswahl ein wenig durch neue Marken erweitert. So sind nun Doc Martens, Grinders oder Rangers die bevorzugten Stiefel, anstatt Check-Shirts trägt man nun Polos von Brutus oder Fred Perry, wobei Fred Perry wohl heutzutage die Norm ist. Wenn man heute von Bomberjacken spricht, so kommen den meisten Alpha Industries und Schott in den Sinn, welche man mehr sieht als MA1 und CWU.

Immer mehr sieht man auch die Kombination von Skin-Outfit mit Leder. So werden die Bleachers öfters durch Lederhosen ersetzt. Ab und zu sieht man auch Skins mit Rubber-Bleachers. Da kommts natürlich auf die persönlichen Vorlieben an.

Ich selbst sehe mich Punkto Style als recht offen. Aber wenn ich Bleachers, Armyhosen oder Lederhosen trage, dann finde ich sind Stiefel dazu obligatorisch, um dem Skin-Look zu entsprechen.

Klar sind Look und Gesinnung was total unterschiedlich doch diese Gear zu tragen beeinflusst schon auch mein Verhalten. Da es Gefühle sind, ist es etwas schwer, es zu beschreiben. Ich hoffe es wird mir gelingen euch zu vermittel, was ich fühle, wenn ich meine Skin-Kleidung anhabe.

Ich ziehe sehr viel Selbstvertrauen aus der Kleidung. Das zeigt sich, wie ich mich bewege, wie ich mit anderen interagiere und es hat auch Einfluss auf der sexuellen Ebene mit anderen Männern. Ich würde sagen, dass Skin-Wear mich dominanter macht und da denke ich sind gerade die Boots wichtig. Eigentlich bin ich Versatile aber wenn ich in Skin-Gear unterwegs bin, dann liebe ich es andere zu dominieren. Sollte aber ein anderer Skin dominanter sein, dann würde ich mich unterordnen auch wenn eine Grunddominanz bleibt. Ich bin dann wohl ein ziemlich aggressiver Sub. 🙂

Dieses von dir erwähnte Neonazi-Assoziation bewirkt, dass viele denken man sei ein wenig gefährlich und aggressiv, so dass diese Menschen anders auf dich reagieren als sie es sonst machen würden. Darauf sprechen besonders Sub-Typen, welche nach Dominanz suchen, an. Ich selbst würde ich weder als agressiv noch gefährlich bezeichnen, aber wenn andere das von mir denken, so ist mir das egal.

homeBild2-conorDublin003MasterMarc: Wow, das sind doch viele Informationen. Danke. Aber nun erzähl uns doch mal über die Akzeptanz des Skin-Fetisch durch andere Fetisch-Gruppen. Denkst du, dass in den Augen von Lederkerlen ihr Skins ein 2te-Klasse-Fetisch seid und wie siehst du eure Position im Vergleich zu anderen softeren Fetischen wie Sportswear und Skaters?

Conor: Ich denke überhaupt nicht, dass wir ein 2te-Klasse-Fetisch sind. Unser Fetisch ist bis jetzt einfach nicht so sehr verbreitet wie andere aber er zählt nach Leder und Rubber klar zu den etablierten Fetischen. In Europa ist er recht weit verbreitet. Dagegen ist er in anderen Orten wie z.B. der USA fast unbekannt aber wenn sie davon erfahren, dann werden sie doch sehr neugierig und wollen mehr darüber wissen.

Hier in Europa kam der Fetisch in den späten 90er-Jahren auf und hat sich in den frühen 2000er-Jahren etabliert. In einem Ranking würde ich den Skin-Fetisch heutzutage auf die gleiche Stufe wie Rubber stellen. In meinen Augen hat der Skin-Fetisch den Skater- und Sportswear-Fetisch überholt und ist viel sichtbarer als diese in den Strassen und Clubs Europas.

MasterMarc: Wie du vorhin erwähnt hast, hat der Skin-Fetisch sicher sein aggressives Image aber ich assoziiere ihn auch mit Dirty, z.B. mit Pissgames und weitere Sauereien. Wie siehst du das und was sind in deinen Augen oft die sexuellen Gemeinsamkeiten der Skins?

Conor: Wie bei allen Fetischen gibt es auch bei den Skins sexuelle Gemeinsamkeiten, welche natürlich auf persönlichen Präferenzen und Geschmäckern aufbauen. Viele der Skins die ich kenne lieben das Stiefellecken  und das Stomping, in welchem sich diese “Aggressivität” ein wenig zeigt. Ja, es stehen viele Skins auf Pissspiele aber ich selbst kenne nur etwa eine Hand voll die es wirklich mögen. Fisten wird auch im Vergleich zu anderen Fetischen mit dem Skin-Fetisch in enge Verbindung gebracht.

Aber klar das sind subjektive Wahrnehmungen von mir, welche ich auf meinen Reisen in Europa sehe. Ich selbst freue mich zu sehen, dass sich der Leder- und der Skin-Fetisch immer mehr vermischen und dies nicht nur auf Seiten der Skinheads. Ich selbst stehe auch auf Leder und werde oft von Freunden als Lederskin bezeichnet, weil ich mich in Leder genauso wohl fühle wie im Skin-Outfit. Aber klar, meine Wurzeln liegen bei den Skins. Die Interaktion mit anderen Fetischen in der Fetisch-Szene öffneten aber meine Augen und meinen Kleidungsstil.

homeBildH-ConorDublin005MasterMarc: Ich sehe es wie du, die Fetischwelt beginnt durchlässiger zu werden. Ich weiss es hört sich fast schon wie ein Sakrileg an, aber ich sehe auch je länger je mehr Skin-Typen Sneakers tragen. 🙂 Bleiben wir bei den Vorurteilen: Stimmt es, dass Skins wie eine Bruderschaft ist, die eine strenge Hierarchie lebt und die es Neulingen schwer macht, akzeptiert zu werden?

Conor: Ich wurde gerade vor Kurzem damit konfrontiert. Hier in Irland empfinde ich es jedoch nicht so, da wir eine junge Gruppierung sind und es noch nicht so viele von uns gibt, so dass wir froh sind wenn sich neue Kerle uns anschliessen wollen. Da unterstützen wir ihm z.B. unsere alte Ausrüstung geben oder ihm Ratschläge geben, wo er sich ein neues Outfit kaufen kann. Aber in Gesprächen mit Freunden aus Grossbritannien und Deutschland hab ich auch schon gehört, dass man da oft nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird. Erfahrene Skins unter uns versuchen diesem Verhalten ein Riegel zu schieben, ,so dass sich auch die Skinszene für Interessierte öffnet.

Das was du betreffend Hierarchie gesagt hast, kann ich aus meinen Erfahrungen mit den Skingruppen, die ich kenne, nicht teilen. Was sicher vorherrscht ist ein Respekt gegenüber älteren Skins, die unsere Fetish-Community mitaufgebaut haben. Ich muss dir sagen, dass ich diesen Respekt sehr schätze, da dieser ja auch Dankbarkeit zeigt, dass sie sich für unseren Fetisch einsetzen. Karl Hayden, einer meiner ältesten Freunde aus der Community, hat auf Youtube eine grossartige Dokumentation zur Gay-Skinhead-Kultur online gestellt. Für mich ist er der Inbegriff eines guten Gay-Skinheads: Offen, ehrlich, vertrauenswürdig und integrativ, auch für neue. Und klar, er hat auch tolle Boots 🙂 !

MasterMarc: Klar werden wir den Link zu dieser Doku am Ende dieses Interviews auch publizieren. Du bist ja Mr. Geared Ireland. Sind die Skins eigentlich auch auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene organisiert und haben die auch solche Mister-Wahlen auf den verschiedenen Ebenen?

Conor: Leider nein. Da gibt es nicht wirklich eine richtige internationale Wahl für Scherpenträger der verschiedenen Länder. Das hab ich auch schon mit dem BSG in GB und dem BLF in Berlin besprochen, aber es scheint so, dass es zu wenige Skins für so einen Wettbewerb gibt. Es ist halt noch ein verhältnismässig junger Fetisch.

Zum Glück können einige von uns Skins mit einer Scherpe auf Clubebene an anderen internationalen Fetisch-Events teilnehmen, vorausgesetzt wir haben auch weitere Fetische. Ich kann z.B. als Mr. Geared Ireland an der International Mr. Leather-Wahl teilnehmen. Vielleicht werde ich dies nächstes Jahr machen, da ich dieses Jahr leider aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen konnte. Da aber IML auch Titelträger des Vorjahres akzeptiert ist dies möglich. Falls ich hingehe, werde ich natürlich eine Mischung aus Leder- und Skinfetisch präsentieren, welche wohl einzigartig sein wird und mir die Möglichkeit gibt, den Skinfetisch auch in den USA ein wenig zu zeigen.

MasterMarc: Ausserhalb der Fetischszene sind Skins und Punks politische Feinde. Mir scheint es jedoch, dass innerhalb der Gay-Fetisch-Szene Skins und Punks bloss Stylingunterschiede derselben Kerle sind. Wo siehst du denn die Unterschiede zwischen den Fetisch-Skins und Fetisch-Punks?

Conor: Im Style und der Philosophie sind wirklich wenig Unterschiede erkennbar. Wir sind innerhalb der LGBTIQ-Welt zwei Gruppen, die sich viele Ideale wie Bruderschaft, Gleichheit, “Leben und leben lassen” teilen und dabei aber unsere Einzigartigkeit und Verschiedenheit erhalten. Punks sind in unserer Gemeinschaft willkommen, wie wir es auch in ihrer sind. Ich denke das ist das schöne in unserer weiter gefassten Communitiy: Wir akzeptieren weitgehend, dass es verschiedene Ausprägungen gibt, leben diese und sind auch auf die Unterschiede stolz. In meinen Augen ist der Musikgeschmack wohl der grösste Unterschied unserer Gruppierungen. 🙂

homeBild2-ConorDublin004MasterMarc: Hättest du die Möglichkeit vor allen Gay-Skins eine Rede zu halten, was würdest du so erwähnen und was siehst du als Ziel eurer Community?

Conor: Ich würde die Skins auffordern, offen für Neue zu sein und diese Interessierten, egal welchen Alters, in unseren Fetisch einzuführen. Das heisst, sie sollten die “grossen Brüder” der Neulinge werden und diese in unsere Skin-Bruderschaft einführen. Unser Fetisch ist kein teurer aber ich denke dass unser vermeintlich aggressives und abschottendes Image viele davon abhält, unseren Fetisch auch zu leben. Wir müssen offener werden und Neulinge akzeptieren, auch wenn sie selbst das Skin sein nicht so weitgehend definieren, wie wir es selbst tun. In meinen Augen würde dies unseren Fetisch nicht wirklich verwässern dafür aber würde sich das Skinsein weiter verbreitern. Ich gebe dir ein Beispiel: Ein Kerl der vor kurzem mir gegenüber sein Interesse an der Skin-Szene geäussert hat, sagte mir, dass er auf der Arbeit nicht mit Haaren unter einer Länge von 2mm erscheinen kann. Er glaube nun, deshalb könne er ja nicht Mitglied der Skin-Community sein, obwohl er es gerne würde. Ich hab ihm vorgeschlagen mal mitzukommen und dabei ein volles Skin-Outfit und die für ihn kürzest mögliche Haarlänge zu tragen. Ihm hat es dann bei uns sehr gefallen und er wurde von den anderen auch freundlich willkommen geheissen. Eines Tages wird er vielleicht auch mal ne Glatze haben, aber bis dahin trägt er Gear und erfreut sich unserer Gesellschaft. Aus diese Art sollten wir mehr Kerle motivieren, bei uns mitzumachen!

MasterMarc: Wenn alle Fetisch-Kerle deinen Gedanken folgen würden, dann würde jeder von uns die Möglichkeit haben, das zu leben, was er fühlt und gleichzeitig würden wir viel mehr Diversity in unserer grossen Fetisch Welt sehen. Ich danke dir, Conor, für dieses Einblick, den du uns in die Skin-Welt gewährt hast und ich wünsche dir nur das Beste für deine Zukunft. Ich hoffe wir werden bald wieder miteinander quatschen.


Karl Hayden’s Skin Dokumentarvideo auf Englisch (part 1/5):

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