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Ein Bericht von Sub Lukas.


Sub-Lukas-horizontalIch (19) wurde gebeten einen kleinen Bericht darüber zu verfassen wie ich zum BDSM gekommen bin.

Meine Person – Jung / experimentierfreudig / flexibel / „versaut“ – einfach ich

Kurz zu meiner Person: Ich bin 19 Jahre alt, bin BDSM-mäßig sowohl Top als auch Sub, wobei mir die devote und auch masochistische Seite mehr liegt. Erregen tut mich, das weiß ich jetzt nach mehrjähriger intensiver BDSM-Erfahrung erst, vor allem das kontrolliert und erniedrigt werden.

Ich probiere extrem gern neues aus, sofern es mir nicht zu gefährlich scheint und mit einem sympathischen Top stattfindet, und bin auch gern mal Versuchsobjekt für Tops, wenn diese etwas Neues ausprobieren möchten.

Aufgewachsen bin ich in einem 400 Seelenort mitten im Nirgendwo in Hessen, sprich: Im schwulen Nirwana. Und trotzdem hab ich es geschafft BDSM für mich zu entdecken. Nur weil man abseits jeder schwulen Metropole wohnt, heißt das nicht, dass man völlig unerfahren bleiben muss, oder nur Blümchensex haben wird.

Aller Anfang ist verschieden – mein Einstieg in die BDSM-Welt

Herausgefunden, dass ich auf BDSM stehe hab ich mit knapp 16 Jahren. Wie ich das herausgefunden hab? Ich war bereits mit diesem Alter dabei eine Menge Erfahrung zu sammeln, meistens mit Kerlen die Mitte 20, aber durchaus auch 30 bis 40 Jahre alt waren. Kennengelernt hab ich die meisten über Gayromeo, andere über Gaychat.net. Ich hätte eigentlich bei Romeo kein Profil haben dürfen, aber ich war zu neugierig und „sexbesessen“ um mich da nicht anzumelden. Mein Profil hatte kein Vorschaubild, aber ich hab mit meinen Angaben nicht gelogen, 16/183/69. Ich war (und bin) kein Unschuldsengel was Sexdates angeht. Meine Bewegungsfreiheit hab ich ausgenutzt und dementsprechend viele Kerle gehabt. So nebenbei: Ich hab allerdings auch viele Dates platzen lassen, weil mir die Leute suspekt waren.

Tipp: Öffentlicher erster Treffpunkt, seid 15 Minuten früher da und haltet euch etwas abseits, beobachtet den Kerl und wenn euer Bauch sagt nein, dann geht! Aber verwechselt nicht Aufregung mit schlechtem Bauchgefühl 😉

Viele feste „Fuckbuddys“ hab ich in Freistunden während der Schulzeit besucht. Einige davon fanden es erregend einen 16-Jährigen an Bettpfosten zu fesseln, ihm einen Knebel zu verpassen, oder ihm ein Halsband anzulegen und an einer Leine durch die Wohnung zu führen. Und sie waren nicht die einzigen denen das gefallen hat. Auch ich hab mich dann langsam angefangen dafür zu interessieren, und hab begonnen mich darüber zu informieren. Da ich zur „Internet“-Generation gehöre, war dort mein erster Anlaufpunkt um mir Informationen einzuholen was überhaupt SM ist und was man dort alles macht, aber auch zu merken, dass es eine verdammt große und vielfältige Welt ist, welche mich immer noch fasziniert.

Vorlieben entdecken und neues Ausprobieren

Ich habe dann im Angesicht der Möglichkeiten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und mich gefragt wie man da feststellen soll auf was man steht. Die simple Antwort welche ich mir erst heute geben kann: Ausprobieren. Gut. Eigentlich steckt hinter der Antwort mehr als gedacht. Ausprobieren ABER nicht mit irgendjemandem, sondern mit Leuten denen man vertraut. SM basiert, und das haben viele noch nicht begriffen, auf Vertrauen. Wenn man in einer Nachricht von einem unbekanntem Top liest „Hey komm ich mach dich fertig, ich achte nicht auf dich und du hast nichts zu sagen, denn es geht nur nach meiner Nase“ dann ist das für mich (!) kein ernsthafter SM. Es klingt super erregend die Kontrolle voll abzugeben, aber da kann einem das Kinokino einen, möglicherweise gefährlichen, Streich spielen. Wenn Leute daran Gefallen finden gut, aber nicht mit mir. Für mich geht Sicherheit vor, denn lieber keine Session, als wenn ich danach bleibende Schäden hab. Zudem ist es wesentlich entspannter wenn man Vertrauen zu seinem Top hat, dann ist ein Safeword meistens gar nicht von Nöten, denn der Top weiß wann sein Sub genug hat.

Mit 16 hatte ich auch meine Phase in welcher ich unbedingt der absolute 24/7 Sklave sein wollte, und mir vorgestellt habe meinen Körper komplett einem Master zu überlassen. Jedoch musste ich nach einmaligem Treffen mit einem Master, mit welchem ich über meine Phantasie gesprochen hatte, feststellen, dass das einfacher geträumt als getan ist. Auch solche Fehlschläge gehören zum Vorlieben und Neigungen entdecken dazu.

Zurück zum Ausprobieren. Informiert euch und schaut was euch interessiert. Probiert vertrauenswürdige Tops/Subs zu finden, welche ähnliche Interessen haben wir ihr selbst. Trefft euch und baut eine Basis auf, mit welcher man arbeiten kann. Wenn ihr einen erfahrenen Top habt, fragt ihn doch einfach ob er einen sanften Einstieg mit euch machen würde. So könnt ihr langsam und in Ruhe Erfahrung sammeln. Ich selbst hab Tops dann gefragt ob sie zum Beispiel mal eine Zwangsjacke oder `’nen KG mit in eine Session einbauen könnten, ich würde die Erfahrung einfach gern mal machen. Und schwupps, hab ich mit beidem da gesessen und feststellen dürfen, dass es mir gefällt. Aber ich hab auch durch ausprobieren festgestellt, dass es Sachen gibt die mir nicht gefallen. Nippelplay gewinne ich zum Beispiel überhaupt nichts ab. Das gefällt natürlich einigen Sados, welche das dann auch schamlos ausnutzen.

Wie schnell ihr neue Sachen erprobt und ausprobiert liegt an euch. Bei mir ging es sehr zügig, und ich habe in 3 Jahren eine ganze Palette an Vorlieben dazu gewonnen. Wer gern mal eine Liste haben möchte was ich alles in 3 Jahren erlebt und lieben gelernt habe:

3/4/5/…er, AV, Boots lecken/tragen, Bondage, CBT, Cockringe, Cum-Control erleiden, Deepthroat, Dirty Talk/beleidigen lassen, Dog-/Petplay, Edging, Elektro, Erniedrigt werden, Erziehen lassen, Feets lecken, Fisten, Gangbang/Gruppen, Harnesse, Keuschheit, Klamottenzwang (auch öffentlich solange es ertragbar ist), Knebeln lassen, Latex, Leder, Gas-/NS-/System-Masken, Melken lassen, Mumifizierung, Outdoor, OV, Peitschen, Schmerzen zugefügt bekommen, Sklave sein, Sounding, Spanken lassen, Sportsgear, Toys, Wachs, Zwangsjacken.

Einen letzten Gedanken zum Ausprobieren will noch dem Cyber-/Camsessions widmen.

Ich selbst hab mir, nachdem ich meine BDSM-Neigung entdeckt hab, ziemlich schnell eine Cam gekauft um abends heimlich in meinem Zimmer Sessions mit Tops zu veranstalten. Natürlich hatte ich nur die einfachen Hausmittel zur Verfügung im Alter von 16 Jahren, sprich: Wäscheklammern, Schnürsenkel, Banane statt Dildo. Es war interessant und eine sehr einfache Art SM zu erleben, auch wenn man alles selbst machen musste. Mir ging es jedoch darum Befehle zu empfangen und umzusetzen, oder auch über mehrere Tage Aufgaben zu erfüllen.

An sich finde ich es für den Einstieg ins BDSM-Leben super, weil man selbst noch Kontrolle hat um bei Unwohlsein abzubrechen. Allerdings hat es mir auf Dauer keine Befriedigung verschaffen können, und nachdem Cybermobbing heutzutage auch kein Hintergrundthema mehr ist sollte man vorsichtig sein, wem man sein Gesicht zeigt und wem man Bilder schickt.

Ich habe eine Session – und wie fang ich die jetzt an?!

Meine ersten richtigen Sessions waren vollkommen ungeplant, zumindest von meiner Seite her. Ich war bei einem meiner Fuckbuddys zu Besuch, und nach einiger Zeit hat er gefragt ob ich Lust hab das wir mal was in Richtung fesseln und Co. machen. Ich hab zugestimmt und das wurde im Prinzip meine erste richtige Session. Er selbst hatte schon Erfahrung damit und hat mich dementsprechend leiten können.

Was auch ein interessantes Thema ist, mit welchem ihr zwangsweise im BDSM konfrontiert werdet, ist der Einstieg in eine Session. Es gibt viele Varianten, je nachdem was einem lieber ist kann man entweder sofort in eine Session einstiegen nachdem man die Türschwelle überschritten hat, oder erst nach einem Kaffee. Letzteres ist natürlich von Vorteil wenn man sich noch nicht kennt, und feststellen will ob man sich überhaupt versteht.

Selbstverständlich kann man, sofern die Lust dazu besteht, auch schon vor einer Session Aufgaben erledigen. Das ist mir persönlich am liebsten. So kann man sich gedanklich schon mal auf die Session einlassen und es fällt mir später leichter mich fallen zu lassen. Beispielsweise kann der Top dann voraussetzen, dass man ohne Unterwäsche, mit Plug, mit speziellen Klamotten, (un)rasiert, mit gefüllter Blase, oder ähnlichem erscheint.

Ich hab alle Kerle im meiner Umgebung durch – was nun?

Bei mir war der Punkt schnell erreicht, an welchem mir die meisten Gesichter in meinem Kreis, was BDSM angeht, bekannt waren. Darunter hatte ich zwei Kerle gefunden mit denen ich öfters gespielt habe, beim Rest hat es einfach nicht gepasst.

Aufgrund meiner Neugier waren mir die zwei allerdings nicht genug und ich habe sehnsüchtig auf das Alter gewartet in welchem ich meinen Führerschein machen durfte.

Irgendwann bin ich dann endlich 18 geworden und konnte, dank Führerschein und eigenem Auto, weitere Strecken zurücklegen. Das war dann die Zeit in welcher ich auch 200km und mehr für SM-Sessions gefahren bin, und auch über Nacht dort geblieben bin. Diese Mobilität eröffnet natürlich neue Möglichkeiten wenn man fernab von schwulen Metropolen wohnt, wie ich es tue.

Ich hab leider feststellen müssen, dass die interessanten SMler immer weit von einem weg wohnen. Deswegen hab ich mich früh damit abgefunden, dass ich durchaus einige Stunden sein werde bevor ich bei dem Top meines Vertrauens angekommen bin.

Solltest du mit allen Kerlen, die dich in deiner Umgebung interessieren, schon Erfahrungen gesammelt haben, dann erst mal: Herzlichen Glückwunsch und auf zu neuen Ufern.

Aber keine Panik, das ist nicht der Untergang deines SM-/Sexlebens. Vielleicht hast du mittlerweile einen Play-Partner gefunden mit dem du öfters eine Session startest. Rede mit ihm ob ihr vielleicht noch einen Dritten dazu nehmt, oder zusammen Neues ausprobieren wollt, mit welchem ihr beide noch keine Erfahrung habt. Das geht leicht indem man einen anderen erfahrenen SMler fragt ob er euch die gewünschte Sache mal zeigt. So können sich auch super (SM-)Freundschaften entwickeln, die man schnell zu schätzen lernt.

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