Wenn man heute auf den sozialen Medien rumsurft, so lächeln einem immer wieder süsse Teens und Twinks als Femboys und Sissys in eindeutigen Posen an. Sie tragen ihre Damenwäsche offen und zeigen mit Stolz und Geilheit ihre feminine Seite. Da hat sich einiges getan mit dem Selbstbewusstsein und der «Öffentlichkeitsarbeit» der Liebhaber von Damenwäsche Wäsche und femininer Attitude.

Lange Zeit wurde dieser spezielle Fetisch belächelt und in der grossen von Leder dominierten Fetishwelt der Vergangenheit nicht wirklich akzeptiert. Damenwäsche war einer dieser Kinks den man nur im Versteckten auslebte. Die von der Mutter oder der Freundin geklauten Wäscheteile wurden meist heimlichen und für sich ganz alleine getragen. Jungs die gerne mit ihren weiblichen Reizen spielten wurden als Tunten beschimpft und als «halbe» Männer bezeichnet. Zudem wurde der Damenwäsche-Fetish den Bisexuellen zugeordnet, welche auch nie wirklich einen guten Stand in der Welt der Schwulen hatten.

Doch Zeiten ändern sich. Egal ob man auf das Feminine steht oder nicht, so ist es toll zu sehen, dass auch dieser Fetish mehr an die Öffentlichkeit getragen wird und dass die Akzeptanz in der Community dafür wächst. Denn weshalb soll es geil sein Leder und Rubber zu tragen, im Proll-Look zu protzen, in cooler Sportswear zu ficken, als Hund herumzutollen, voll auf Schmerzen zu stehen aber gleichzeitig soll Lingerie soll voll doof sein? Da gibt’s keinen Grund dafür! Wie bei jedem Fetish ist es so, dass man entweder darauf steht oder eben nicht. Wertungen sind fehl am Platz, denn wir wollen ja auch nicht über unseren Fetish bewertet werden. Doch worin besteht der Reiz die feminine Seite auszuleben?

SubboyJJ: Ich mag den femininen Look weil ich darin noch devoter bin, mich als sexy Bottom fühle, der bereit ist, Befehle zu befolgen und benutzt zu werden.

Vixen: Ich bin mit einer sehr weiblichen Seite geboren. Schon immer mochte ich es Girlie-Kleider zu tragen und mich zu schminken. Irgendwie zeigt es mein wahres ich. Ich liebe den Kontrast klar als Boy erkennbar zu sein aber gleichzeitig auch feminin. Ich liebe es Männer spitz zu machen und irgendwie mache ich damit auch manche Frau eifersüchtig. Zusammengefasst: Es ist einfach nur wer ich wirklich bin.

Visser: Ich sehe die Dinge nicht in den Kategorien Feminin und Maskulin. Ich gefalle mir einfach in meinem Stil. Zudem denke ich, dass dies was die Gesellschaft als feminin betrachtet viel kreativer und schöner ist und ich freue mich darüber, Teil davon zu sein.


F0reverUndeAd: Es ist was Anders und ein Bruch mit unseren Geschlechter-Rollen. Geschlechter sind nur ein Konstrukt unserer Gesellschaft die uns vorschreiben will, wie wir diese zu sehen haben. Klar könnte ich auch Boxershorts oder Speedos ragen und mich in typischen Twinkposen zeigen. Das wäre doch langweilig.

Das sind interessante Aspekte, die hier die drei Jungs, die ihre feminine Seite gerne zur Schau tragen, schildern. Doch es gibt auch die MASKULINEN Damenwäsche-Liebhaber. Als ich nämlich Sissybloke dieselbe Frage wie den drei Boys zuvor stellte, wurde ich gleich mal korrigiert:

Sissybloke: Ich sehe das nicht als meine «feminine» Seite. Das ist das Problem der Gesellschaft welche Lingerie nur als Teil der Damenwelt betrachtet. Ich betrachte Lingerie als geschlechtsneutrale Kleidungsstücke. Man sollte diese Geschlechtertrennung und Stereotypen ablegen. Ich lebe nicht eine “feminine Seite” aus, wenn ich Lingerie trage. Das bin ich und ich bin wirklich ein richtiger Kerl und das stelle ich auch dar. Ich kann somit Damenwäsche tragen und maskulin zugleich sein!  

Sehr schnell habe ich die Frage umformuliert und fragte ihn dann, weshalb er Damenwäsche trägt und was er daran mag?

Sissybloke: Als ich das erste Mal als 10jähriger Boy Nylonstrümpfe anzog war das fast schon eine Erleuchtung. Zum einen war da dieses unbeschreibliche Gefühl des Nylons, welcher meine Beine umschloss, ein sinnliches und stimulierendes Gefühl zugleich. Dazu kommt dass durch den Strumpfhalter (Strapsen), welcher die Überkniestrümpfe hält, der Arsch schön eingerahmt wird und diesen somit richtig hervorhebt. Strapse und Nylonstrümpfe ersetzen die meisten Frauen durch Strumpfhosen. Strapse sind mittlerweile als Lustinstrument verrufen, um ihre Männer damit aufzugeilen. Und es stimmt eigentlich. Ich habe entdeckt dass mein Arsch und meine Beine in Strapsen noch die bessere Wirkung auf Alfa-Kerle haben. Die Lust Strapse zu tragen kann ich in drei Punkten zusammenfassen: Das Gefühl auf der Haut, der Look den man dadurch erhält und die damit verbundene Wirkung auf Alfa-Kerle, die dadurch animiert werden, mich zu benutzen.

Man merkt vielleicht an meiner Fragestellung, dass ich nicht auf Damenwäsche stehe. Dies wurde während meiner ersten Schritt in der Fetischwelt noch dadurch verstärkt, dass meist nur alte, dicke Typen sich in Strapsen zeigten und mich ansprachen. Also Leute die ich als 20jähriger definitiv nicht auf meinem Radar hatte und nicht wirklich in der Aufmachung sehen wollte. Junge, geile Femboys gabs damals in der Fetishszene nicht wirklich anzutreffen. Ich denke da hat das Internet, welches Einblick in den geschützten Bereich der eigenen vier Wände ermöglicht, dazu beigetragen, dass diese Jungs nun sichtbar sind.

Ich hatte damals damit zu kämpfen, dass ich selbst gerade erst gemerkt hatte, dass ich auf Kinks stehe und diese eigene «Perversion» erst noch akzeptieren lernen musste. Da waren wohl diese Strapsträger nicht eine Hilfe für mich. Jetzt aber muss ich zugeben, dass ich bei devoten Boys es teilweise mag, wenn diese einen leicht femininen Touch haben … nicht in der Kleidung sondern wie sie sich geben … ganz leicht feminin nicht weibisch. 🙂

Entdecke ich da bei mir einen Rückfall in alte Rollenbilder von Mann und Frau? Schon ärgere ich mich über mich selbst, denn wie oft hat mich die klassische Frage heterosexueller Freunde und Kollegen «Wer in eurer Beziehung ist der Mann und wer ist die Frau?» echauffiert. Die Frage ist vergleichbar dumm wie wenn man beim Asiaten fragt, welches der Stäbchen die Gabel und welches der Löffel sei.

Klar, es gibt noch eine weitere Art Damenwäsche einzusetzen, nicht aus Lust an der Femininität sondern als Instrument der Erniedrigung. Darin liegt ja auch ein grosses Mass an Geilheit. Da sind wir auch wieder mehr auf meiner Linie. Dieser Erniedrigungsfaktor kann wiederum für SMler, welche nicht wirklich auf Lingerie stehen, einen grosser Reiz darstellen. Doch worin liegt das Erniedrigungsempfinden von Damenwäsche? Fragen wir doch mal Doofer und Salisbury_subguy.

Doofer: Erniedrigung und Unterwürfigkeit gehören einfach zusammen und das passt auch total zu der Rolle, die ich einnehme. Für mich besteht da auch ein Link zu meiner Schulzeit, als ich oft gehänselt wurde, weil ich gerne pinke Kleider trug oder meine Fingernägel anmalte. Ich spielte mit Freunden gerne Spiele bei der der Verlierer ein Röckchen anziehen oder Makeup auftragen musste. Ich erinnere mich genau daran, dass ich absichtlich bei solchen Spielen verloren habe. 😊 Irgendwie passen Mädchenoutfits auch zum Bild der Bitch. Ein kurzes Röckchen, ein Schlüpfer und dann noch im Keuschheitsgürtel und schon ist man «gezwungen» Bottom zu sein und der Arsch steht im Zentrum. Am erniedrigsten und geilsten ist es natürlich in einem Raum in dem man der einzige so gekleidete zwischen anderen Jungs ist. Ich denke für mich hat auch der exhibitionistische Aspekt eine wichtige Rolle, wenn man so gekleidet ist, dann soll man auch gesehen werden. In Kombination mit Zwang wird es noch geiler, denn ich tue ja gerne so, als ob ich es nicht wollen würde. 😛

Salisbury_subguy: Damenwäsche ist klar ein Tabu-Kink. Es ist absolut gegen jegliche «Norm» sowohl in der normalen als auch in der Fetish Welt. Zur Zeit scheint dieser Fetish aber im Aufwind zu sein. Mir selbst helfen Damenwäsche und Highheels dabei, mich runter in eine niedere und devote Position zu drücken in der ich nur da bin, um anderen zu gefallen, nicht mir selber.

Hehe, da zweifle ich fast ein wenig, dass die Beiden Damenwäsche nur als Erniedrigung empfinden oder was denkt ihr?

Abkürzungen und Fachausdrücke sind nicht nur im Militär sondern auch in der Fetish-Welt sehr beliebt. Aussenstehende verstehen da oft nur Bahnhof. Bevor ich jedoch näher auf diese eingehen kann, muss ich zuerst noch eine wichtige, sich für mich stehts bewahrheitende Regel erwähnen: Der Fetisch kennt keine festen Standards ausser der Einvernehmlichkeit der Beteiligten! Eine wichtige Regel, welche aber die Definition von Begriffen alles andere als einfach macht. Deshalb frage ich am besten die Betroffenen, worin sie die Unterschiede zwischen den vielgehörten Ausdrücken Femboy, Sissy, Crossdresser und Lingerie Lover sehen.

Femboy

SubboyJJ: Femboys sind Boys mit femininen Eigenschaften.

Vixen: Ein Boy/Mann mit einem «femininen» Verhalten und Erscheinung, welches die Grenzen zwischen den Geschlechtern verbiegt.

Doofer: Ein Boy der gerne feminine Kleidung trägt aber dennoch sich im allgemeinen als Mann sieht.

Visser: Ein feminin aussehender Mann oder Boy.

Sissy

SubboyJJ: Sissys sind Boys die sich gerne so anziehen und verhalten, um dem Bild einer Schlampe gerecht zu werden.

Vixen: Ein Boy der gerne für Fetish-Sessions feminine Kleidung trägt. Dies kann sowohl zur Erniedrigung dienen aber viel mehr um ihn noch tiefer in den Fetish-Headspace zu bringen.

Doofer: Beim Sissy-Dasein geht es mehr um den erniedrigenden Aspekt des Tragens von Girly-Kleidern um den Boy zu blamieren.

Visser: Ein Fetish bei dem der Boy die Position einer “Frau” beim Sex einnimmt (Einige praktizieren dass so, dass es dieses Frau sein einen erniedrigenden und devoten Aspekt hat.

Damenwäsche-Liebhaber

SubboyJJ: Typen die gerne Damenunterwäsche tragen aber sonst nicht ins Feminine gehen.

Vixen: Eine Person die Damenunterwäsche als Fetish hat. Sie lieben das Tragegefühl und verbergen es im Alltag gerne unter den Strassenklamotten.

Doofer: Hab davon noch nie gehört aber ich denke es geht um Jungs die Damenunterwäsche mögen nicht aber weitere Frauenkleider oder feminine Dinge.

Visser: Der Name sagt es ja schon: Typen die Damenwäsche tragen und dabei das Tragegefühl und auch deren Ästhetik mögen.

Crossdresser

SubboyJJ: Jungs die sich gerne wie Frauen anziehen und verhalten um als Frau wahrgenommen zu werden.

Vixen: Personen die sich wie das andere Geschlecht anziehen, wobei dies nichts mit der Sexualität zu tun hat. Irgendwie ist es eine Art das andere Geschlecht zu erleben ohne selbst Transgender zu sein.

Doofer: Personen die Kleidung tragen, die nicht dem traditionellen Bild ihres Geschlechts entsprechen.

Visser: Ein Mann der gerne Frauenkleider/Unterwäsche trägt. Er kann eine weibliche Seite an sich haben, wenn er so gekleidet ist, doch er sieht sich nicht als Frau.

Man sieht die Definitionen sind sich ähnlich aber nicht wirklich identisch. Es ist halt schwierig Empfindungen und Erfahrungen in Worte zu pressen.

Das mit den Rollenbilder von Mann und Frau lässt mir keine Ruhe. Ich bin scheinbar nicht der einzige, der die alten Rollenbildern irgendwie verinnerlicht hat. Betrachtet man die Bedürfnisse vieler Jungs, welche die feminine Seite ausleben, so sind sie noch viel mehr im archaisch patriarchalischen Zeitalter anzusiedeln als meine Bemerkung zuvor war.

Fangen wir mit der Ausnahme an: Bei den Crosdressern trifft man auf viele Divas, die vor Selbstbewusstsein strotzen. Doch da Crossdresser sich weniger über das sexuelle definieren und man sie nicht wirklich als Fetishkategorie bezeichnen kann, können wir diese in diesem Artikel aussen vor lassen.

Bei all den anderen vorhin erwähnten Kategorien (abgesehen von den maskulinen Lingerie Lovers) ist die «Frau», die sie selbst darstellen, weder selbstbewusst noch erfolgreich sondern – zum Entsetzen jeder Feministin – ist sie bitchig, willig, unterwürfig, gefügig, dafür da, dem «richtigen» Mann zu dienen und für seine Befriedigung zu sorgen. Sie macht überall und jederzeit auf Anweisung die Beine breit und soll dabei härter angefasst und für ihre Fehler auch bestraft werden. Ein wenig ein arabisches Frauenbild einfach ohne Burka, denn da würde man ja die tolle Aufmachung nicht sehen. 😊

Das ist ein wenig eine Art Anti-Emanzipation der Geschlechterrollen, doch zumindest emanzipiert sich der Fetish, auch wenn die Akzeptanz der anderen Fetische gegenüber den Liebhabern femininer Wäsche noch reichlich Luft nach oben hat. Wie sagt Sissybloke so schön:

Sissybloke: Wir müssen in der Gay-Community endlich so weit kommen, dass ein Typ in Damenwäsche sich in jeder Fetish-, Leder-, Rubber-, SM- oder Fist-Bar/Club genau so akzeptiert und willkommen fühlt wie all die anderen Fetish-Kerle.

Im Artikel erwähnte Personen

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1989 | 183 cm |70 kg

1988 | 188 cm | 66 kg
Interview mit SubboyJJ
19xx | 172 cm | 48 kg
Interview mit Visser
1993 | 177 cm | 67 kg
1995 | 173 cm | 44 kg
Interview mit F0reverUnde4d
1973 | 179 cm | 72 kg
Interview mit Sissybloke

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