Fetisch und SM sind für uns Kinkster ein richtiger Lustgewinn, der es in sich hat. Ja, es ist eine Intensivierung der Geilheit für manchen im Sex für andere gar im Lifestyle, welche das «normale» Program für Viele von uns dann fast schon langweilig macht. Zum Glück gibt es dann bei normaleren sexuellen Aktivitäten noch das Kopfkino, welches wenn der Fetisch schon nicht gelebt wird, das Sexualleben zumindest in Gedanken fetischkonform aufpeppt. Gerade in Zeiten von Social Distancing ist dies für viele eine Art den Fetisch zumindest zu fühlen, wenn er schon nicht ausgelebt wird.

Was für den einen ein Lustgewinn ist, ist für den anderen, der diesen Fetisch nicht teilt, kaum zu verstehen, worin dieser Lustgewinn liegen soll. Es ist sogar für uns Kinkster schwer einen Fetisch, den wir nicht teilen, richtig einzuordnen. Oftmals verstehen wir einen Fetisch, den wir haben nicht wirklich. Wir wissen einfach es ist geil, es turnt uns an, aber weshalb das so ist, ist schwer im Worte zu fassen. Oft werden wir gefragt «Warum findest du das geil?» konfrontiert. Sie bringt uns zum Nachdenken aber meist können wir nur antworten, dass man es nicht wirklich erklären kann, da es einfach so ist.

Meine Antwort ist dann oft, dass ich ja auch nicht erklären kann, warum ich schwul sei. Es ist einfach so! Es gibt halt einfach Jungs (und Mädels) die es geil finden an schmutzigen Socken zu schnüffeln, in Rubberanzügen zu schwitzen, wie ein Hund am Boden rumzutollen und mit dem Dogtail zu wedeln, sich die schwere zweite Haut eines Lederanzuges überzustreifen, sich über lange Zeit bewegungsunfähig fesseln zu lassen, Schmerz zu spüren, Schmerz zu bereiten, an Füssen zu lecken, an einem Schnuller zu nuggeln und sich die Windeln wechseln zu lassen, sich in Damenwäsche zu rekeln …. Diese Liste könnte ich, wie Ihr es ja von sadOsam kennt noch ewig weiterführen, denn unsere Welt des Fetischs ist vielseitig und bunt.

Ja, es ist einfach so, es ist verdammt geil und die Frage «Warum» ist `doof … zumindest kann es nicht beantworten.

Meist werden wir in unserem Alltag mit unseren eigenen Fetischen konfrontiert oder den Vorlieben des Gegenübers, welche ja meist weitgehend geteilt werden. Denn das wirklich wichtige Credo in der Welt der Fetische ist, dass Einvernehmlichkeit das A und O unseres geilen Spiels ist. Wir machen ja nur Dinge, die unser(e) Spielpartner auch mögen. Dabei geht es um richtigen und wahren Konsens und nicht um eine faule Ausrede, wie man ihn oft von Pädophilen oder Vergewaltigern hört.

Ja, unsere Bedürfnisse und Neigungen scheinen zum Teil ein wenig «weird», teilweise sind sie es auch für uns selbst, aber wir leben sie mit Partnern aus. die diese auch teilen oder Interesse daran haben und es soll NIE zum Schaden des einen oder anderen gereichen. So lange ist auch nichts daran auszusetzen.

Dabei gibt es Fetische die für Dritte einfacher nachzuvollziehen oder gar zu akzeptieren sind, auch wenn man diese nicht teilt, als andere. So sind z.B. alle Kleidungsfetische einfacher zu erklären, da auch der «Normalo» ja weiss, dass jeder einen anderen Modestil hat. Fetische wie Sportkleider, Anzug, Skaterklamotten, Sneakers sind verständlich. Warum man jetzt aber am einen oder anderen Sportschuh schnüffelt, ist wiederum schwieriger dem Gegenüber zu erklären.

Extremere Fetische sind sogar für manchen eingefleischten Kinkster nicht zu verstehen. Gerade wenn es um den Scat-Fetisch geht, fragen sich viele, worin im Spiel mit Scheisse der Lustgewinn steckt. Auch Schmerz und Erniedrigung, Dinge die unsere Gesellschaft negativ assoziiert, können doch nicht positive Gefühle auslösen. Doch sie können! Aber halt nicht für jeden. Für einige Feinschmecker ist richtigen Kaviar ja einen Hochgenuss und purer Luxus während viele diesen nur als fischig, salzig, glibberig und eklig empfinden. Geschmäcker sind unterschiedlich!

Und dann gibt es auch noch Fetische, die man sehr einfach falsch verstehen kann. Nein, Age-Player sind keine verkappten Pädophilen, Pet-Player keine Zoophilen und Femboys keine Transsexuellen. Diese Liste liesse sich noch erweitern. Auch wenn einige gerne das Hündchen spielen und andere diese gerne drannehmen, so ist das kein Indiz dafür, dass diese Jungs abends bei Bauern in den Stall einbrechen und sich da an den Tieren verlustieren. Es ist ein ROLLENSPIEL, welches keinen Bezug zu Sex mit Tieren hat. Für uns ist dies ganz logisch, für Dritte kann dies aber verwirrend sein.

Klar überall gibt es Ausnahmen und schwarze Schafe. Die sind zu verurteilen, aber man kann ja nicht davon auf Alle schliessen. Ficken ist nicht per se etwas schlechtes bloss weil es einige Verbrecher gibt, die andere Leute vergewaltigen!

Wie schon erwähnt, das Ausleben der Fetische muss auf EINVERNEHMLICHKEIT bauen. Wenn diese gegeben ist und man weder sich selbst, seinen Partner oder Dritte schädigt, dann ist nichts gegen den gelebten Fetisch einzuwenden, auch wenn dieser uns «krank» vorkommt. Wir sind ja nicht beteiligt. Und ja, es muss wahre und aufrichtige Einvernehmlichkeit sein! Nein, ein 6-jähriges Kind will nicht vom 50jährigen Onkel gefickt werden. Es hat sich sicherlich nicht aufreizend verhalten und den Onkel zu der Tat aufgefordert und nein, auch wenn die Kuh im Stall stillhält und nicht losrennt, will sie nicht von dir gefickt werden!

Es gibt wenige feste Regeln in der Welt des Kinks, aber diese genannte ist ein Muss. Ansonsten sind wir recht frei das zu leben, was uns und unseren Playpartnern gefällt und es liegt nicht an uns, über die Fetische anderer zu richten. Wir wollen ja auch nicht, dass wir aufgrund unserer eigenen kleinen Perversionen verurteilt werden. Fetisch auszuleben ist geil, macht Freude und bereichert unsere Sexualität und unseren Lifestyle und so lange niemand ernsthaft und auf eine negative Art darunter leidet … und ich rede jetzt nicht vom Leiden der Masochisten, welches ein positives Leiden ist … ist daran auch nichts auszusetzen. Seid offen für Neues, denn meine langjährige Erfahrung hat mich gelehrt, dass Dinge, die anfangs noch ein totales Non-Go waren, plötzlich geil wurden, aber andere Praktiken blieben ein Non-Go … man weiss nie wie man sich entwickelt. Also verurteile niemanden anhand seines Fetisches denn vielleicht bist du schon morgen selber der kleine Perversling, den du gestern noch verurteilt hast.


Es gibt einen aktuellen Grund für diesen Artikel. Race-Play ist auch einer der Fetische, der für viele von uns, schwer nachzuvollziehen ist. Befasst man sich nicht intensiver mit der Thematik und den dazugehörenden Individuen, so scheint dies für viele oberflächlich betrachtet nur rassistische Scheisse zu sein. Dabei ist klar: Rassismus ist schlecht, widerwärtig und zu verurteilen!

In den letzten Tagen war auf Twitter ein Beitrag von Master Ferdok zu sehen, den ich in dieser Form nicht gutheissen kann. Ich kenne Master Ferdok nun seit vielen Jahren und ich weiss, dass er kein Rassist ist, auch wenn mancher Text von ihm, besonders wenn man einzelne Aussagen aus dem Kontext herausnimmt, sich so anhören kann.

Race-Play, wie ihn Ferdok lebt, ist ein Rollenspiel. Da finden sich Master und Slaves, die gerne und freiwillig den Stellungsunterschied dieser autoritären Spielart mit rassistischem Wording und anderen Handlungen aufpeppen. Ja, das ist für Viele völlig geschmacklos aber eben, so lange dies unter freiwillig spielenden Partnern geschieht, die alle daran Freude haben und es einvernehmlich ist, ist es nicht zu verurteilen.

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